Social Web trifft sozialen Aktivismus: Vom niederländischen Leiden über Santiago de Compostela und Rom bis nach Jerusalem: das sind 10.000 Kilometer Fußmarsch. Oder zehnmal München – Berlin hin und zurück. Wer solch eine Tortur freiwillig auf sich nimmt, ist normalerweise auf der Suche nach sich selbst. Oder nach Material für den hundertsten Pilgerratgeber. Es sei denn, der Mann heißt Wijnand Boon und sein Ziel nicht nur Jerusalem, sondern experimentelle Beweisführung.
Widerlegen möchte der niederländische Journalist und Musiker die eindimensionalen Ansichten seiner Königin Beatrix I zu den sozialen Risiken des Internets. Und greift dazu zu extremen Mitteln. Seit 11. September 2010 beweist Boon mit seinem ungewöhnlichen und zeitlich faszinierenden Experiment, wie das Internet soziale Isolation nicht befördert, sondern beseitigt. Und zwar indem er bei seiner modernen Herbergsuche ausschließlich auf Online-Netzwerke wie Facebook oder CouchSurfing vertraut.
Soweit das iPhone trägt und die Fremdsprachenkenntnisse reichen, ist seine Mission „Twalk with me“ bisher ein durchwachsener Erfolg. Einerseits hat er geschafft, stets eine Bleibe für die Nacht via Social Network zu finden. Anderseits musste er in Frankreich bereits erfahren: Ein iPhone vernetzt zwar, ist aber immer nur so intelligent wie sein Nutzer. Ob analog oder digital, Kommunikation bleibt Kommunikation und das Medium dabei Mittel zum Zweck.
Mit Sicherheit bewiesen ist damit bislang nur die alte Binsenweisheit, dass Pauschalurteile selten des Pudels Kern treffen. Die Wirklichkeit pechschwarz malen wie Königin Beatrix oder schneeweiß waschen wie Wijnand Boon – nichts ist realitätsferner. Und das gilt für die analoge Welt ebenso wie für die virtuelle. Wir freuen uns jetzt schon auf die königliche Weihnachtsansprache 2010 und sind dann mal weg.
Simone Regazzoni.Textpraktikantin bei RESpublica





wow, bewundernswert. das ist ja keine sache von zwei wochen! hut ab!
AntwortenLöschenSuper Sache!!! Bin aufs Ergebnis gespannt...
AntwortenLöschenGEEEEIL
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